KLANG.RAUM.FRAU
Der wein.klang Winter steht 2012 unter dem Motto „klang.raum.frau“ und findet im klang.haus in Untergreith am 21. Januar 2012, um 17 Uhr, statt.
Präsentiert werden im klang.haus das Tanztheaterprojekt „klang.raum.frau“ von Dieter Kaufmann mit Gerda Schorsch, Tanz, und Ulrich Kaufmann, Video, eine Lesung über entlegene Speisen von Loize Wieser und eine Vertonung von Kochrezepten entlegener Speisen von Mia Zabelka und Zahra Mani.
Im Jahr 1950 komponierten Pierre Schaeffer und Pierre Henry ihre bald zum Kultwerk der „musique concrète“ avancierte „Symphonie pour un homme seul“. Ab 1955 wurde das Werk in der Choreographie von Maurice Béjart quer durch Europa aufgeführt und damit auch die Klangsprache der elektroakustischen Musik bekannt gemacht. Heute, gut 50 Jahre später, ist das neue Medium zum selbstverständlichen Ausdrucksmittel im autonomen und angewandten Bereich zeitgenössischer Musik geworden.
Dieter Kaufmann, der in den Jahren 1968 bis 70 bei Pierre Schaeffer und François Bayle in Paris studierte und selbst Lehrer von Mia Zabelka war , ist einer ihrer prominentesten Vertreter. Mit seiner „symphonie acousmatique“ hat er eine computermusikalische Biografie gestaltet, die über Brücken und Brüche Verbindungen zu den Pionieren von damals herstellt.
Dabei entstand die Idee, das Werk durch eine szenische Fassung zu erweitern bzw. auch zu konzentrieren. Dieter Kaufmann lud seinen Sohn, den Filmemacher Ulrich Kaufmann und die Tanz- performerin und Choreographin Gerda Schorsch ein, diese Fassung auf Grundlage der Komposition zu realisieren.
Daraus ist das Gesamtwerk Klang.Raum.Frau – Symphonie pour une femme seule entstanden. Der Titel ist zwar eine Anspielung auf Pierre Schaeffers und Pierre Henrys „Symphonie pour un homme seul“, führt aber dennoch auf eine ganz andere Reise. Eine Frau im roten Kleid geht bei Dunkelheit auf einer einsamen Straße. Eine unheimliche Kameraführung läßt bald erkennen, dass diese Frau von einem Auto aus beobachtet und verfolgt wird. So beginnt das Stück. Die Verfolgung setzt sich fort und die Tänzerin setzt sich aus: Der Beobachtung durch den Kameramann, durch den Regisseur, durch den Zuschauer, aber auch der eigenen. Es beginnt eine wilde Suche nach der eigenen Existenz, im und am Körper. Das Denken und die Suche drücken sich nicht nur im Sprechen aus, der ganze Körper beginnt zu denken. Und findet Lösungen.
Im Anschluß wird Lojze Wieser, kreativer Kopf und Verlagsgründer, sowie Kulinariker aus Leidenschaft aus seinem Werk „ Kochen unter anderen Sternen. Geschichten von entlegenen Speisen“ lesen. Dieses Buch ist eine Art poetischer Würdigung der Küche seiner Kindheit - bereichert um launige Anekdoten und das Wissen des erwachsenen Hobbykochs und weitgereisten Feinschmeckers.
Neben den in den vielen farbigen, duftenden Details spannenden Geschichten wird auch viel Praktisches verhandelt: die Zubereitung von Waldpilzen, die Hausschlachtung und das Zerlegen einer Sau, die Zubereitung von Blutwurst aus dem frisch aufgefangenen warmen Blut, allerlei Innereienrezepte, Saisonsalate mit dem, was der wohlbestellte Garten hergibt, Hauszubereitungen von Milchprodukten u.v.a.m. Von dem Brauch des Jägers ist die Rede, die frische Leber eines erlegten Wildes „à la Praša" zu dünsten etc..
Den besonderen Reiz macht aus, dass die Biographie Loize Wiesers historisch und gesellschaftlich an unwiederbringlichen Schnittstellen angesiedelt ist: Einerseits, historisch, erlebte er als Kind in Unterkärnten noch die Bescheidenheit und die Pracht einer Küche, die von Sparsamkeit, bauernnaher Subsistenzwirtschaft, aber auch regionalen Traditionen und dem mütterlichen, großmütterlichen kulinarischen Ehrgeiz und Verstand geprägt war. Andererseits, gesellschaftlich, wuchs der kleine Lojze als Mitglied der an den Rand gedrängten slowenischen Volksgruppe in Kärnten auf.
Zum Abschluß von wein.klang Winter werden die beiden Komponistinnen und Musikerinnen Zahra Mani, Laptop & E-Bass, und klang.haus Leiterin Mia Zabelka, Stimme, Violine und Electronics, unter dem Motto „Entlegene Speisen – entlegene Klänge“ Kochrezepte als musikalische Partitur ihrer gemeinsamen Improvisation vertonen.
